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Warnhinweis



Erstmals gesehen: Warnhinweis des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (ARD/One), einer Folge der Serie „Ein Herz und eine Seele“ von Wolfgang Menge (ca. 1974) vorangestellt.

 

Ich hätte es nicht glauben können, als ich es kürzlich hörte, aber auch vor Otto Waalkes muss wohl neuerdings gewarnt werden! Bislang waren mir derartige Warnhinweise im öffentlich-rechtlichen TV nur von Nazi-Propagandafilmen aus „Giftschränken“ - wie etwa „Kolberg“ -bekannt. Otto und Goebbels? Wer versteht die Karikatur Alfred Tetzlaff derart mis, dass er um seine geistige Gesundheit fürchten muss? Früher haben wir uns einfach nur amüsiert und ich vermute, Diether Krebs als linkem Gegenspieler von Tetzlaff  in Menges wunderbarer Satire dürften böse Sketche dazu einfallen, wäre er noch am Leben… Ist demnächst Gerhard Polt mit Warnungen oder gar Verboten an der Reihe, wenn er in „Fast wia im richtigen Leben“ dem Volk zeitlos den Spiegel vorhält? Die „Biermösl-Blosn“, wenn sie sich als Afrikaner kostümieren und eine Gesangsmischung zwischen Bayrisch und einer afrikanischen Sprache kreieren?  

   Was und wer steckt hinter diesen Einschränkungen der Meinungs- und Denkfreiheit? Wie ist diese neue Art Unfreiheit zu bewerten? Ist es nur mangelnder Sinn für Humor? Wer bestimmt, was man sich wie anzuschauen / anzuhören / auszusprechen hat? Wie konnte es innerhalb weniger Jahre dahin kommen, dass selbst unzweifelhaft linker oder anarchischer Humor der Vergangenheit einer Zensur unterworfen wird?  Wozu soll die Bevölkerung „erzogen“ werden? Wenn sich künftig auch der Schornsteinfeger gerichtlich dagegen wehren darf, in Film und Fernsehen „Essenkehrer“ genannt zu werden, wird das Leben zu einem Waten im Sumpf. Standen nicht gerade die so genannten „68iger“ einmal für mehr Freiheit? Oder irre ich mich da und in Wahrheit waren die ideologischen Phrasen schon damals nichts als sich unaufhaltsam verhärtender, bewegungshemmender Knorpel? Sie sind mit Blindheit geschlagen. Sie wissen nicht, was sie tun. Sie – wer ist das? Ich weiß es nicht. Für das, was sie tun, gibt es jedoch ein Wort. Es heißt Bevormundung.  Ich liebe die Freiheit, die wir (noch) haben, über alles. Ich habe bisher immer jedem widersprochen, der den gegenwärtigen Zustand der deutschen Wirklichkeit mit dem der DDR kurz vor der „Wende“ 1989 verglich. Als einer, der unter dem SED-Regime gelitten hat, tue ich es auch weiterhin. Aber vielleicht stimmt nur der darin enthaltene Zeitpunkt nicht und in Wahrheit ähnelt unsere Situation weit mehr derjenigen im Januar 1933?

Das ist ein Warnhinweis.

Denn wenn das in solchen Tendenzen versteckte Potential von jemandem sehr aufmerksam beobachtet und gut verstanden wird, wenn jemandem am größtmöglichen „Volkszorn“ gelegen ist, dann sind es diejenigen, die nur auf ihre Stunde warten, um es noch weit schlimmer treiben zu können…   

 

 

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